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Drei Frauen, drei unterschiedliche Lebensgeschichten. Sie alle finden denselben Mann. Sie wissen nie alles über ihn; aber auch er weiss nicht alles über sie.

 

Knapper könnte eine Inhaltsangabe wohl kaum ausfallen. Bei Dror Mishanis neuem Buch „Drei“ ist es unmöglich mehr zu schreiben, ohne den spannungsgeladenen Plot dieser außergewöhnlichen, intensiven und mysteriösen Geschichte zu umreißen. Ist es ein Krimi? Ist es ein Thriller? Oder ist es vielmehr eine neue Art shakespearscher Dramatik, die unseren Blick auf eine bisher unbekannte literarisch-raffiniert ausgeklügelte Kategorie lenkt?

Tomás  ist zur Hälfte Spanier und Engländer, bereits in der Schule verliebt er sich in die gleichaltrige Berta Isla. Beide wollen ein gemeinsames Leben miteinander führen. Dem jungen Sprachtalent ist dabei eine „Karriere“ bestimmt, die mit einem Studium in Oxford beginnt und durch einen folgenschweren Fehler beim britischen Geheimdienst ihren Lauf nimmt. Schon bald nach seiner Rückkehr vermutet Berta, die inzwischen seine Ehefrau ist, dass Tomás ein Doppelleben führt. Als er dann zu Beginn des Falklandkrieges plötzlich spurlos verschwindet, beginnt sie endgültig zu hinterfragen, wen sie geheiratet hat.

Javier Marías, einer der wunderbarsten Geschichtenerzähler unserer Zeit brilliert wieder einmal mit einem detailverliebten Roman, bei dem man zunächst gar nicht weiss, ob es sich um einen Agententhriller oder eine bloße Liebesgeschichte handelt. Eine Geschichte über das Warten, die Zerbrechlichkeit der Liebe und die Zerrissenheit zwischen Krieg, Geheimnissen und Loyalität.Ein must read für diesen Sommer!

„Fünfhundert Blatt. Universalpapier. Für alle Drucker und Kopierer geeignet. Weder liniert noch kariert. Gut ausgewählt, Padre. Ich habe es noch nie gemocht, eingeengt zu werden.“ – Weil er Stotterer ist, vertraut Johannes H. Stärckle ganz auf die Macht des geschriebenen Worts und setzt es rücksichtslos ein, zur Notwehr ebenso wie für seine Karriere. Irgendwann bringt ihn jedoch seine Eitelkeit ins Gefängnis. Dort seine Zeit absitzend schildert er durch Briefe an den Gefängnispfarrer „Padre“ sein Leben. Ein Leben das durch die Macht des geschriebenen – nicht gesprochenen – Wortes geprägt ist. Von der harmlosen Fiktion eines Liebesbriefes in der Schule bis hin zum manipulierten Suizid eines Sektenmitglieds. Der Stotterer versucht alle von seiner Lebensgeschichte zu überzeugen..

Die Macht des geschriebenen Wortes tritt hier in unverkennbarer Fülle hervor. Ein glänzend geschriebenes Buch voller sprachlicher Meisterleistungen. Lewinsky hat ein brillantes Buch geschrieben und wir hoffen, dass es nicht das letzte war! Absolut lesenswert.

Endlich eröffnet auch der Diogenes Verlag mit seinem Frühjahrsprogramm das literarische Jahr 2019!

In „Irgendwann wird es gut“ vereint Joey Goebel 10 Kurzgeschichten, die es in sich haben. Egal ob es ich um Anthony Dent handelt, der abendlich auf seine Angebetete mit einem Glas Bourbon wartet, oder um Beth Schlehuber, die nach einem Suizidversuch im Krankenhaus aufwacht, alle Geschichten vereint die Suche verlassener Seelen nach dem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben. Es geht um Menschen, die sich nach einem winzigen Stück vom großen Lebensglück sehnen, aber in der Kleinstadt Moberly im Bundesstaat Kentucky dieses wohl nie finden werden..

Mit Joey Goebel präsentiert sich ein junger, wenngleich schon fast zu Kultstatus avancierter Autor im gewohnt hochklassigen Diogenes Verlag. „Irgendwann wird es gut“ ist eine fantastische Einreihung in seine bisherigen Romane „Vincent“ und „Ich gegen Osborne“ und brilliert in gekonnter Sprachmanier!

Die süditalienische Küste, Sommer, Sonne, Strand und das Meer. Es könnte einfach alles entspannt sein für Leda, knapp fünfzig, allein lebend, Mutter zweier erwachsener Töchter. Doch die Beobachtungen der lärmenden, neapolitanischen Großfamilie am Strand, im Fokus eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter, schlagen schnell von Faszination und Wohlwollen in Panik und überlagerte Erinnerungen um. Leda lässt sich zu einer unbeschreiblichen Tat verführen..

Elena Ferrante macht gleich zu Beginn ihres neuen (im Original bereits 2006 erschienenen) Romans deutlich, dass sich der Leser auf eine nicht einfache Lektüre einstellen kann: „Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind am schwierigsten zu erzählen.“ Und doch spricht sie über ein so wichtiges, wie vielleicht auch nicht oft genug besprochenes, widersprüchliches Thema: Wie ist das Verhältnis einer Mutter zu ihren Kindern? Ist es geprägt von Leichtigkeit, Loyalität und Liebe? Oder gibt es nicht auch unausgesprochene Herausforderungen, Ängste, Konflikte? Ein eindringlicher Roman, der die Realität in ihrer einzigartigen Schönheit und Brutalität widerspiegelt.

„Frau im Dunkeln“ ist ein hervorragender Auftakt in das literarische Jahr 2019 – ein existenzieller, erschütternder (vielleicht auch in Teilen überzeichneter?), aber wohl genauso wahrheitlicher, direkter und zur Diskussion anregender Roman über Emanzipation, Mutterschaft und soziale Herkunft. Ein eindringlicher Roman. Ein must read!

„Welcher Tribut ist einer vorstellbaren Unsterblichkeit wohl angemessen?“ – Diese Frage stellt sich der junge Arzt Norton Perina als er auf der Insel Ivu’ivu ein Mittel gegen die Sterblichkeit des Lebens gefunden hat. Die waghalsige Abenteuerreise in ein unbekanntes Archipel im Südpazifik (viele Stellen erinnern an die Dschungelexpeditionen aus „Herz der Finsternis“ von J. Conrad) erschließt sich dem Leser durch die vielen Reiseberichte über Lebensweise, Sprache und Kultur eines fiktiven Urvolkes. Diese essen zur Feier ihres 60. Geburtstages eine bestimmte Schildkrötenart und werden fortan mehrere hunderte Jahre alt – gekennzeichnet durch geistigen Marasmus. Perina, der rückblickend von seinen Expeditionen erzählt, verfasst seine Memoiren im Gefängnis, denn sein Forscherdrang brachte auch die Liebe zu Kindern in ihm hervor..

Perinas Schicksal ist Fluch und Segen zugleich: die Erforschung einer bisher unbekannten Gattung Mensch, ihr endlos scheinendes Leben, sein kometenhafter Aufstieg zum Nobelpreisträger, und das dunkle Kapitel zur Frage inwieweit man Werk und Genie trennen muss, machen diesen Abenteuerroman ( den man teils als fiktive literarische BBC-Reportage vom Format eines D. Attenborough verstehen kann) zu einer großen Gewissensfrage, die Yanagihara mit einer wahrhaft meisterlichen Kunst zur Differenzierung zu erzählen vermag.

Yanagihara erzählt auf wundervolle Weise in ihrem Debütroman (ja, „Ein wenig Leben“ von 2015 ist bereits das zweite Buch) eine spannende Abenteuererzählung mit fantastischen Naturbeschreibungen und einer Fragestellung die klassischer und aktueller nicht sein könnte: Wie tief können die Abgründe des Menschlichen sein?

Veranstaltungen

Breuers Bücher – Buchvorstellungen

Jeden Monat neue und alte Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte – oder auch nicht. Benjamin Breuer und sein Team rezensieren ihre Lektüre. Dabei wird geistig flaniert, kritisiert, hoch gelobt und gestritten. Aber immer für das Gute (Buch).

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Jeden Monat neue und alte Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte – oder auch nicht. Benjamin Breuer und sein Team rezensieren ihre Lektüre. Dabei wird geistig flaniert, kritisiert, hoch gelobt und gestritten. Aber immer für das Gute (Buch).

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