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„Serotonin – ein Neurotransmitter der sowohl die Blutgefäße reguliert, als auch auf die Signalübertragungen im zentralen Nervensystem wirkt, wodurch er sich (ideal) als Antidepressivum eignet.“

Ob auch der geneigte Leser nach (oder vor) der Lektüre zum synthetischen Mittel greifen muss, bestimmt sich wohl vor allem daran, wie er Houellebecq im Allgemeinen gegenüber steht. Denn wir erleben eine Handlung, die fast schon einen klassischen Houllebecq ausmacht: Kritik am westlichen Gesellschafts-, Politik- und Wirtschaftssystem, Werteverfall zwischen den Menschen und natürlich der große Angriff auf den Mann (als Institution, Individuum und Begierdeobjekt). Wenn man aber nun annimmt, man begäbe sich auf eine „Best of tour“ durch das houellebecqsche Universum, ist man (positiv) enttäuscht. Denn die Handlung um Florent-Claude Labrouste, dem Protagonisten, ist ein (im wahrsten Sinne des Wortes) Rausch durch die meisterhafte Prosa des Autors. Spitzfindige, kontroverse und aktuelle Anspielungen, scharfsinnige Formulierungen, aber allen voran sprachliche Virtuosität sind es, die diesen neuen und hoffentlich noch nicht letzten Roman des französischen Ausnahmeschriftstellers so einzigartig machen!

Man nehme einen völlig harmlos klingenden Titel, eine nicht zu beseitigende Leiche, die „führende Schriftstellerin des Milleniums“ in Lateinamerika und füge alles zu einem kriminalistisch-mörderischen Komplex zusammen.

Im neuen Roman von Patricia Melo fühlt sich der Protagonist von seinem über ihm wohnenden Nachbarn gestört. Die zunächst als völlig harmloser Nachbarschaftsstreit beginnende Geschichte gerät schnell außer Kontrolle. Das eskalative Moment der Wut gewinnt die Oberhand und plötzlich findet sich der gewöhnliche Biologielehrer mit einer Leiche vor sich wieder.

Dieser exzellente Krimi führt neben der spannenden, man möchte meinen, fast süchtig stimulierenden Handlung (die durchaus der makabren Komik nicht entbehrt), eine Reihe von Fragen auf, die den Leser auch nach der Lektüre nicht loslassen: Wie und warum wird ein Mensch zum Monster? Warum töten wir? Wie bestrafen wir ein Vergehen wider die Natur, eine „Spaltung der Seele“?