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Lily und Johnny, zwei ungewöhnliche Namen, eine ungewöhnliche Geschichte. Lily steckt fest in ihrer Karriere als Ärztin, Johnny empfindet sich mehr denn je als gescheiterter Künstler. Was macht ihre Beziehung aus? An welchem Punkt stehen die beiden in ihrem gemeinsamen Leben? Und: hatte Lily damals wirklich mit Ignaz Zunder geschlafen?

„Die Liebe der Skelette – zwei dürre Gestalten aus Gebeinen, Knochenmenschen, skelettierte Liebende (..) vereinigt in einem lippenlosen Kuss, der knapp vor ihrem harten Aufeinandertreffen innehielt und ausblieb.“

Wow, was für ein Buch! Zwei junge Menschen, die sich zu verschiedenste Zeitpunkten in ihrem Leben treffen und immer an die vorherige Stelle im Geflecht der Beziehung zueinander anknüpfen können. Dabei jedoch erst zum Ende erkennen, welche Dimension, welche Tiefe ihre Beziehung hat. Lily und Johnny verkörpern ein zutiefst selbstreflektierendes Grossstadtpärchen, welches jedoch -zum Trotz der Reflexion – an der gewöhnlichen Kommunikation zu scheitern droht. Man kann dieses Buch gar nicht mehr aus den Händen legen!

#mustreadthissummer

Die freche Rotzgöre Zazie wird gleich bei der Ankunft an der Gare d-Austerlitz von ihrer Mutter Madame Grossestittes an deren Bruder Gabriel übergeben, der in einem Cabaret arbeitet. Bei ihrem Onkel lernt die neunmalkluge Zazie das maßlose und exzessive Paris kennen und hegt doch nur einen sehnsuchtsvollen Wunsch: einmal mit der Pariser Metro fahren zu dürfen. Doch diese wird ausgerechnet an jenem Wochenende bestreikt.

Mit „Zazie in der Metro“ ist ein inzwischen zum Klassiker avancierter Roman der franzöischen Litertatur in neuer Übersetzung erschienen. Eine sprachlich virtuoser, verspielter, aber auch zwischen Fiktion und Fakten verwirrender Roman, ganz im Stile des Surrealismus der 1950er Jahre. Eine großartige (Wieder-)entdeckung und eine Bereicherung für alle, die sprachliche Anspielungen, Provokationen und Wortwitz lieben.

 

„Fünfhundert Blatt. Universalpapier. Für alle Drucker und Kopierer geeignet. Weder liniert noch kariert. Gut ausgewählt, Padre. Ich habe es noch nie gemocht, eingeengt zu werden.“ – Weil er Stotterer ist, vertraut Johannes H. Stärckle ganz auf die Macht des geschriebenen Worts und setzt es rücksichtslos ein, zur Notwehr ebenso wie für seine Karriere. Irgendwann bringt ihn jedoch seine Eitelkeit ins Gefängnis. Dort seine Zeit absitzend schildert er durch Briefe an den Gefängnispfarrer „Padre“ sein Leben. Ein Leben das durch die Macht des geschriebenen – nicht gesprochenen – Wortes geprägt ist. Von der harmlosen Fiktion eines Liebesbriefes in der Schule bis hin zum manipulierten Suizid eines Sektenmitglieds. Der Stotterer versucht alle von seiner Lebensgeschichte zu überzeugen..

Die Macht des geschriebenen Wortes tritt hier in unverkennbarer Fülle hervor. Ein glänzend geschriebenes Buch voller sprachlicher Meisterleistungen. Lewinsky hat ein brillantes Buch geschrieben und wir hoffen, dass es nicht das letzte war! Absolut lesenswert.