Dror Mishani: Drei

Drei Frauen, drei unterschiedliche Lebensgeschichten. Sie alle finden denselben Mann. Sie wissen nie alles über ihn; aber auch er weiss nicht alles über sie.

 

Knapper könnte eine Inhaltsangabe wohl kaum ausfallen. Bei Dror Mishanis neuem Buch „Drei“ ist es unmöglich mehr zu schreiben, ohne den spannungsgeladenen Plot dieser außergewöhnlichen, intensiven und mysteriösen Geschichte zu umreißen. Ist es ein Krimi? Ist es ein Thriller? Oder ist es vielmehr eine neue Art shakespearscher Dramatik, die unseren Blick auf eine bisher unbekannte literarisch-raffiniert ausgeklügelte Kategorie lenkt?

Komponistenhäuser- Wohn- und Arbeitsräume berühmter Musiker aus fünf Jahrhunderten

Wer würde nicht gerne einmal durch die Räumlichkeiten seines Idols oder Lieblingskomponisten spazieren und dabei die Atmosphäre, in der der Meister geschafft hat, erleben? Bodo Plachta und Achim Bednorz haben sich dazu zwei Jahre lang auf die Reise durch Europa gemacht, um die berühmten Wirkungsstätte großer europäischer Komponisten bildreich und informativ zu erfassen! Herausgekommen ist ein wahrlicher Prachtband, der zum Schmökern geradezu einlädt und den Leser durch die Welt der Musik führt: Ob Bach, Wagner, Haydn, Chopin, Mozart, Sibelius, Orff. Die Autoren schaffen es, das Umfeld der Inspiration des Künstlers perfektionistisch zu erfassen. Ein wundervolles Schmuckstück zum Selbstschenken und Verschenken.

Nicht nur für alle Wagnerianer in Bayreuth zu den Bayreuther Festspielen ein must see und must read!

100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern

„Leben heißt beobachten.“, sagte bereits Plinius der Ältere. Und gerade der Blickwinkel ist es doch, auf den es – gerade in der heutigen, oft unübersichtlichen Zeit – so entscheidend ankommt.

Damit man bei all den vielen Zahlen, Daten, Fakten (nicht! fakenews) weiterhin die Übersicht behält, hat sich „Katapult“, ein populärwissenschaftliches Magazin aus Greifswald, dazu entschlossen, „sozialwissenschaftliche Erkenntnisse auf kreative Weise einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. So erfährt man, welche Fläche für eine globale Stromversorgung aus Windkraft nötig wäre, welche Höhen europäische Wolkenkratzer erzielen, welche Länder der Welt als „frei“ gelten oder die wichtigsten Reisen und Aufenthalte Ernest Hemingways.

Neben vielen ernsten Themen, bleibt dabei auch Zeit zum Schmunzeln, wenn eine Graphik den längsten bzw. kürzesten Linienflug der Welt darstellt, eine Liste die Leuchttürme Europas skizziert, oder die ungewöhnlichsten Ortsnamen erfasst werden.

Ein innovatives, kreatives und vor allem kluges Buch, welches die individuelle Sicht auf die Welt verändern kann!

Stefan Györke: Die Liebe der Skelette

Lily und Johnny, zwei ungewöhnliche Namen, eine ungewöhnliche Geschichte. Lily steckt fest in ihrer Karriere als Ärztin, Johnny empfindet sich mehr denn je als gescheiterter Künstler. Was macht ihre Beziehung aus? An welchem Punkt stehen die beiden in ihrem gemeinsamen Leben? Und: hatte Lily damals wirklich mit Ignaz Zunder geschlafen?

„Die Liebe der Skelette – zwei dürre Gestalten aus Gebeinen, Knochenmenschen, skelettierte Liebende (..) vereinigt in einem lippenlosen Kuss, der knapp vor ihrem harten Aufeinandertreffen innehielt und ausblieb.“

Wow, was für ein Buch! Zwei junge Menschen, die sich zu verschiedenste Zeitpunkten in ihrem Leben treffen und immer an die vorherige Stelle im Geflecht der Beziehung zueinander anknüpfen können. Dabei jedoch erst zum Ende erkennen, welche Dimension, welche Tiefe ihre Beziehung hat. Lily und Johnny verkörpern ein zutiefst selbstreflektierendes Grossstadtpärchen, welches jedoch -zum Trotz der Reflexion – an der gewöhnlichen Kommunikation zu scheitern droht. Man kann dieses Buch gar nicht mehr aus den Händen legen!

#mustreadthissummer

Leïla Slimani: All das zu verlieren

Adèle arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie im eleganten 18. Arrondissement der französischen Hauptstadt – eine fast perfekte Familie. Ein Leben, dem es nach außen hin an nichts fehlt. Doch ist es gerade diese Perfektion, an deren Langeweile Adèle zu ersticken droht. Gelangweilt läuft sie durch die Straßen der Stadt, hat Sex mit Fremden, wann immer es ihrer Lust zuträglich ist. Die Angst vor dem Kontrollverlust ist ihr ständiger Begleiter, aber aufhören kann sie nicht.

Ein Roman der verstört! Slimani nimmt uns mit in die Abgründe ihrer Protagonistin, zeigt uns jede einzelne Seite ihrer Psyche, ohne dabei vulgär oder plump zu sein. Vielmehr wird hier eine fein säuberlich Skizze des Niedergangs einer Frau gezeichnet, die man jedoch kaum mehr aus den Händen legen möchte! Eine Provokation und das Aufzeigen eines bisher immer noch gesellschaftlichen Tabus: Hypersexualität.

Javier Marías: Berta Isla

Tomás  ist zur Hälfte Spanier und Engländer, bereits in der Schule verliebt er sich in die gleichaltrige Berta Isla. Beide wollen ein gemeinsames Leben miteinander führen. Dem jungen Sprachtalent ist dabei eine „Karriere“ bestimmt, die mit einem Studium in Oxford beginnt und durch einen folgenschweren Fehler beim britischen Geheimdienst ihren Lauf nimmt. Schon bald nach seiner Rückkehr vermutet Berta, die inzwischen seine Ehefrau ist, dass Tomás ein Doppelleben führt. Als er dann zu Beginn des Falklandkrieges plötzlich spurlos verschwindet, beginnt sie endgültig zu hinterfragen, wen sie geheiratet hat.

Javier Marías, einer der wunderbarsten Geschichtenerzähler unserer Zeit brilliert wieder einmal mit einem detailverliebten Roman, bei dem man zunächst gar nicht weiss, ob es sich um einen Agententhriller oder eine bloße Liebesgeschichte handelt. Eine Geschichte über das Warten, die Zerbrechlichkeit der Liebe und die Zerrissenheit zwischen Krieg, Geheimnissen und Loyalität.Ein must read für diesen Sommer!

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Stellen sie sich ein England der 80er Jahre vor, jedoch unter anderen Voraussetzungen: Die Briten haben die Falkland Inseln verloren. Margaret Thatcher wird vorzeitig abgwählt und Alan Turing (britischer Mathematiker und Entschlüssler des ENIGMA-Codes der Nazis) ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der artifical intelligence (AI). Es gibt Smartphones, autonom fahrende Autos und ebenjene Androiden, die vom Menschen kaum mehr  zu unterscheiden sind. Ein solcher Android ist Adam, gekauft von Charlie Friend, der damit im Besitz der ersten jemals gebauten androiden Generation ist, die auf 25 Exemplare limitiert wurde. Der Androide wird sehr schnell Teil von Charlies sozialem Umfeld, mithin verliebt er sich in dessen Freundin Miranda. Aber ist eine Maschine überhaupt in der Lage zu lieben? Emotional (nicht rational!) abzuwägen?  Adams „Emotionen“ und seine programmierten moralischen Prinzipien kollidieren dabei fast im Minutentakt mit den irrationalen Entscheidungen der Menschen.

Ein intelligent geschriebenes Buch, das nachdenklich aber auch tröstlich stimmt, wenn man um die Herausforderungen mit künstlicher Intelligenz besorgt ist. McEwan beeindruckt mit vielen Einstreuungen zu moralischen und philosphischen Fragen im Umgang mit Androiden. Ein Roman der aktueller nicht sein könnte!

 

Raymond Queneau: Zazie in der Metro

Die freche Rotzgöre Zazie wird gleich bei der Ankunft an der Gare d-Austerlitz von ihrer Mutter Madame Grossestittes an deren Bruder Gabriel übergeben, der in einem Cabaret arbeitet. Bei ihrem Onkel lernt die neunmalkluge Zazie das maßlose und exzessive Paris kennen und hegt doch nur einen sehnsuchtsvollen Wunsch: einmal mit der Pariser Metro fahren zu dürfen. Doch diese wird ausgerechnet an jenem Wochenende bestreikt.

Mit „Zazie in der Metro“ ist ein inzwischen zum Klassiker avancierter Roman der franzöischen Litertatur in neuer Übersetzung erschienen. Eine sprachlich virtuoser, verspielter, aber auch zwischen Fiktion und Fakten verwirrender Roman, ganz im Stile des Surrealismus der 1950er Jahre. Eine großartige (Wieder-)entdeckung und eine Bereicherung für alle, die sprachliche Anspielungen, Provokationen und Wortwitz lieben.

 

Ben Moore: Der Mond – Eine Biographie

Obwohl die erste Mondlandung schon fünfzig Jahre zurück liegt, ist unsere Faszination für die helle Kugel am Nachthimmel ungebrochen – selbst der amerikanische Präsident ist von ihm begeistert. Blue Origin (Amazon) und SpaceX (Tesla) sind erste private Unternehmen die den Mond kommerziell Vermarkten wollen. Der Mond ein schlechthin ex terra bestehendes Phänomen. Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich und erforscht den Mond Zeit seines Lebens. In seinem neuen Buch erklärt er uns auf unterhaltsame Weise und mit einer leichten, literarischen und vor allem klaren Sprache allerhand Wissenswertes rund um den Mond: Wie ist er entstanden? Wie verlief die erste Mondlandung? Und natürlich: Kann das neu aufgelegte Mondprogramm von Donald Trump Erfolg haben?

Das Buch bietet eine wunderbare Kulturgeschichte unseres „Nachbarn“, die bis hin zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen reicht!

Joyce Carol Oates: Sieben Reisen in den Abgrund

Dieses Buch hat das Potenzial zu ihrem literarischen Alptraum zu werden: Egal ob es um das Verschwinden des eigenen Kindes geht, weil man ausnahmsweise einmal ein paar Minuten später von der Arbeit nach Hause kommt; ein verbrauchter Womanizer seine rachsüchtige Stieftochter trifft oder ein eifersüchtiges Mädchen sich mit einer unheimlichen Katze anfreundet (Poe lässt grüßen). Oates liefert uns spannende Geschichten in die schaurigsten Abgründe und Ängste der Menschen. Das kann bereits im Mutterleib beginnen, wenn ein Zwillingsbruder-Paar um den besten Platz kämpft oder später im Leben der eigene Bruder zum Mörder wird..

Sieben Geschichte, sieben Abgründe, sieben sich in Anspannung und Grauen nicht zu erschöpfende literarische Alpträume. J.C. Oates beweist wieder einmal ihre Stellung im Thriller/Horror Genre – nämlich ganz weit oben. Absolut lesenswert!