Normalerweise zitiere ich nicht aus den Büchern, die ich rezensiere. Bei dem vorliegenden Buch führt kein Weg daran vorbei. Nehmen Sie es sich zur Hand, blättern es auf einer beliebigen Seite auf und lesen Sie zum Beispiel folgendes: „Er sammelt Teppichklopfer. Wurde als Kind von seiner Mutter mit einem Teppichklopfer  regelmäßig versohlt. Das war normal. Seine Sammlung aber ist einmalig.“

Genial! Der Autor Otto Jägersberg hat sich in eine Bar gesetzt, eine Pianobar wie der Titel uns deutlich macht und Eindrücke gesammelt, die er in diesem Band aus dem Diogenes Verlag literarisch verarbeitet. Nein, die Bezeichnung Arbeit ist diesem Werk nicht angemessen. Man muss eher von Dichtung sprechen. Er erdichtet die Realität einzelner und offenbart dabei das Menschsein an sich. Jeder von uns hat eine Geschichte die, mag sie für die Allgemeinheit auch unwichtig erscheinen, das menschliche in uns prägt. Das wird uns bei der Lektüre klar. Am besten lassen sich die Texte vergleichen mit fotografischen Porträts. Auch hier wird ein Moment festgehalten, der wesentlich mehr widerspiegelt, als auf den ersten Eindruck erkennbar ist. Schauen Sie dem Text tief in die Augen: 

„Im Fernsehen die mit neuen Methoden exakt vermessene Gestalt der Erde. Sie ist mitnichten eine Kugel. Die Erde ist eine Kartoffel. Wenn ich, der ich Kartoffeln liebe, sei es roh, gekocht, gestampft, gebraten, mir vorstelle, da schwebt also meine Lieblingsspeise durch den Weltraum, dreht sich noch dazu im Licht von Sonnen und Monden wie ein Hähnchen am Spieß, und irgendwo da draußen lauert das Höhere Wesen, wird mir angst und bange vor seinem göttlichen Appetit.“ 

Genial!