Drei Frauen, drei unterschiedliche Lebensgeschichten. Sie alle finden denselben Mann. Sie wissen nie alles über ihn; aber auch er weiss nicht alles über sie.

 

Knapper könnte eine Inhaltsangabe wohl kaum ausfallen. Bei Dror Mishanis neuem Buch „Drei“ ist es unmöglich mehr zu schreiben, ohne den spannungsgeladenen Plot dieser außergewöhnlichen, intensiven und mysteriösen Geschichte zu umreißen. Ist es ein Krimi? Ist es ein Thriller? Oder ist es vielmehr eine neue Art shakespearscher Dramatik, die unseren Blick auf eine bisher unbekannte literarisch-raffiniert ausgeklügelte Kategorie lenkt?

Bruno, inzwischen Chef de police der ganzen Region Vézère ermittelt endlich in seinem elften Fall im wunderschönen Périgord. Doch er steht vor ungewohnten Herausforderungen: Er soll in Pamelas Kochschule Feriengästen lokale Geheimrezepte beibringen. Die Messer sind gewetzt, die frischen Zutaten bereit, doch die prominenteste Kursteilnehmerin fehlt: die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers, die sich auf Empfehlung ihrer Familie im Périgord erholen wollte. Bruno spürt sie auf – in einem vermeintlichen Liebesnest, das jedoch bald zum Schauplatz eines Doppelmords wird.

Das Warten hat ein Ende. Endlich ermittelt Bruno wieder und nimmt uns mit in die kulinarischen Täler der Dordogne. In „Menu surprise“ stehen dabei neben hochaktuellen politischen Konflikten (die längst vergessen schienen) natürlich die lokalen Spezialitäten auf der Speisekarte. Bruno und seine Freunde kochen uns die leckersten Gerichte vor und Martin Walker versteht es, uns gekonnt den Gaumen zu schmeicheln: Ob pâté de foie gras, klassisches cassoulet, crème brûlée, tarte aux noix oder sabayon de fraises – während die Mordermittlungen andauern, schwelgt der Leser in träumerischen Sphären der französischen Kochkunst.

Eine kulinarisches Flanieren auf dem kriminalistischen Trottoir der Haute Cuisine Périgords!

Man nehme einen völlig harmlos klingenden Titel, eine nicht zu beseitigende Leiche, die „führende Schriftstellerin des Milleniums“ in Lateinamerika und füge alles zu einem kriminalistisch-mörderischen Komplex zusammen.

Im neuen Roman von Patricia Melo fühlt sich der Protagonist von seinem über ihm wohnenden Nachbarn gestört. Die zunächst als völlig harmloser Nachbarschaftsstreit beginnende Geschichte gerät schnell außer Kontrolle. Das eskalative Moment der Wut gewinnt die Oberhand und plötzlich findet sich der gewöhnliche Biologielehrer mit einer Leiche vor sich wieder.

Dieser exzellente Krimi führt neben der spannenden, man möchte meinen, fast süchtig stimulierenden Handlung (die durchaus der makabren Komik nicht entbehrt), eine Reihe von Fragen auf, die den Leser auch nach der Lektüre nicht loslassen: Wie und warum wird ein Mensch zum Monster? Warum töten wir? Wie bestrafen wir ein Vergehen wider die Natur, eine „Spaltung der Seele“?