Südafrika in den 1980er Jahren, geprägt von politischen und soziokulturellen Umbrüchen. Das Apartheidsregime ist in seinen letzten Züge und ringt ums politische Überleben. In diesen Unruhen wächst Martin Helger, 16,  Sohn jüdischer Einwanderer, auf. Geprägt von seinem, mit einem Schrotthandel reich gewordenen, strengen Vater und einem von mystischen Legenden umgebenen Bruder, kommt es zum radikalen Wandel als die ungewöhnliche und leidvoll attraktive Annie Goldberg zu Besuch aus den USA kommt.

„Der Anfang einer Zukunft“ ist die grandiose coming-of-age Geschichte des jungen Martin Helger, der in wahrlich unsicheren Zeiten den Wandel aus der alten in die neue Zeit bewältigen muss. Eine jüdische Familiengeschichte eingewebt in uralte Geheimnisse und die erste Liebe. Alte Konflikte brechen neu auf und Martin muss sich entscheiden, welchen Weg er für sich wählt. Ein süchtig stimulierender pageturner!

Cloud- ein harmlos klingender Name für ein global agierendes Innovationsunternehmen. Ein Unternehmen, dessen Aufgabe es ist, kühne Ideen zu entwickeln und dabei täglich von der Überzeugung angetrieben wird, im Auftrag seiner Kunden zu handeln. Geleitet von Gibson Wells, der sein „Baby“ aus dem Nichts einen wirtschaftlichen Giganten geschaffen hat. Von seinen Mitarbeitern verlangt er nicht weniger als Kreativität und Leidenschaft, aber natürlich auch Hocheffizienz und Optimierung – Cloud ist die Lösung für alle Bedürfnisse.

Bei Cloud lernen sich auch Paxton und Zinnie kennen. Beide durchlaufen zunächst das aufwendige Rekrutierungsverfahren für neue Mitarbeiter ehe sie in ihrer neuen „Familie“ aufgenommen werden. Paxton arbeitet im Sicherheitsbereich, Zinnia im Versand. Das Leben in der „Mothercloud“ ist hervorragend organisiert. Kein Zeitverlust auf dem Weg zum Arbeitsplatz, weil das gesamte Firmengelände auf einem riesigen Campus angesiedelt ist. Keine Sorge um Gesundheitsversorgung, Wohnung, Versicherung, Verpflegung. Alles wunderbare Annehmlichkeiten. Jeder Mitarbeiter trägt eine Smartwatch, die sein Bewegungsprofil und natürlich die Arbeitsleistung erfasst. Die Arbeitsleistung wird in einem 5 Sterne System erfasst. Erfüllt man seine Aufgaben effizient und ohne Zwischenfälle hat man ein „normales“ Rating von 4 Sternen. Wird man krank oder arbeitet zu langsam, sinkt die Bewertung. Bei einem Stern droht die Kündigung.

Ein vermeintlich perfektes Leben im Cloud-System, doch unter der feinen heilen Fassade gibt es allerhand Unstimmigkeiten. Durch das Ratingsystem ist interner Machtmissbrauch vorprogrammiert: Einschüchterungen von Vorgesetzten, Kritik darf nur vereinzelt geäußert, Krankheitsfälle nur im Extremfall gemeldet werden. Gewerkschaften existieren natürlich nicht.

Rob Hart zeigt uns ein vermeintlich perfektes Unternehmen. Voller Freude und Begeisterung wird die allumfassende Wichtigkeit eines privaten Konzerns gelobt, der vieles (oder alles ?) besser, schneller und effizienter gestalten kann als die herkömmlichen öffentliche Institutionen. Die Unternehmensbeschreibung passt frappierend gut auf einen schon heute sehr großen AMArikanischen Konzern. Die Frage die Hart stellt lautet: Opfern wir die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen auf dem Altar der wirtschaftlichen Rationalisierung?

Ein – so hofft man – doch nur fantastisierender Roman. Aber „Cloud“ ist schon heute an vielen Orten zu finden. Wo kaufen sie Musik? Klamotten? Bücher? Wer speichert ihre Daten?

„Schöne neue Welt“, „1984“, „Fahrenheit 451“, oder „The circle“ sind dazu Peanuts. Ein absolut lesenswerter Roman!

Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Was geht in ihr vor? Will sie springen? Die Polizei riegelt das Gebäude ab, Schaulustige johlen, zücken ihre Handys. Der Freund der Frau, ihre Schwester, ein Polizist und sieben andere Menschen, die nah oder entfernt mit ihr zu tun haben, geraten aus dem Tritt. Sie fallen aus den Routinen ihres Alltags, verlieren den Halt – oder stürzen sich in eine nicht mehr für möglich gehaltene Freiheit.

Lily und Johnny, zwei ungewöhnliche Namen, eine ungewöhnliche Geschichte. Lily steckt fest in ihrer Karriere als Ärztin, Johnny empfindet sich mehr denn je als gescheiterter Künstler. Was macht ihre Beziehung aus? An welchem Punkt stehen die beiden in ihrem gemeinsamen Leben? Und: hatte Lily damals wirklich mit Ignaz Zunder geschlafen?

„Die Liebe der Skelette – zwei dürre Gestalten aus Gebeinen, Knochenmenschen, skelettierte Liebende (..) vereinigt in einem lippenlosen Kuss, der knapp vor ihrem harten Aufeinandertreffen innehielt und ausblieb.“

Wow, was für ein Buch! Zwei junge Menschen, die sich zu verschiedenste Zeitpunkten in ihrem Leben treffen und immer an die vorherige Stelle im Geflecht der Beziehung zueinander anknüpfen können. Dabei jedoch erst zum Ende erkennen, welche Dimension, welche Tiefe ihre Beziehung hat. Lily und Johnny verkörpern ein zutiefst selbstreflektierendes Grossstadtpärchen, welches jedoch -zum Trotz der Reflexion – an der gewöhnlichen Kommunikation zu scheitern droht. Man kann dieses Buch gar nicht mehr aus den Händen legen!

#mustreadthissummer

Adèle arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie im eleganten 18. Arrondissement der französischen Hauptstadt – eine fast perfekte Familie. Ein Leben, dem es nach außen hin an nichts fehlt. Doch ist es gerade diese Perfektion, an deren Langeweile Adèle zu ersticken droht. Gelangweilt läuft sie durch die Straßen der Stadt, hat Sex mit Fremden, wann immer es ihrer Lust zuträglich ist. Die Angst vor dem Kontrollverlust ist ihr ständiger Begleiter, aber aufhören kann sie nicht.

Ein Roman der verstört! Slimani nimmt uns mit in die Abgründe ihrer Protagonistin, zeigt uns jede einzelne Seite ihrer Psyche, ohne dabei vulgär oder plump zu sein. Vielmehr wird hier eine fein säuberlich Skizze des Niedergangs einer Frau gezeichnet, die man jedoch kaum mehr aus den Händen legen möchte! Eine Provokation und das Aufzeigen eines bisher immer noch gesellschaftlichen Tabus: Hypersexualität.

Tomás  ist zur Hälfte Spanier und Engländer, bereits in der Schule verliebt er sich in die gleichaltrige Berta Isla. Beide wollen ein gemeinsames Leben miteinander führen. Dem jungen Sprachtalent ist dabei eine „Karriere“ bestimmt, die mit einem Studium in Oxford beginnt und durch einen folgenschweren Fehler beim britischen Geheimdienst ihren Lauf nimmt. Schon bald nach seiner Rückkehr vermutet Berta, die inzwischen seine Ehefrau ist, dass Tomás ein Doppelleben führt. Als er dann zu Beginn des Falklandkrieges plötzlich spurlos verschwindet, beginnt sie endgültig zu hinterfragen, wen sie geheiratet hat.

Javier Marías, einer der wunderbarsten Geschichtenerzähler unserer Zeit brilliert wieder einmal mit einem detailverliebten Roman, bei dem man zunächst gar nicht weiss, ob es sich um einen Agententhriller oder eine bloße Liebesgeschichte handelt. Eine Geschichte über das Warten, die Zerbrechlichkeit der Liebe und die Zerrissenheit zwischen Krieg, Geheimnissen und Loyalität.Ein must read für diesen Sommer!

Welchen Stellenwert hat Liebe in einer Welt voller exzessivem Reichtum?

In Kevin Kwans Roman über unermesslich reiche asiatische Familien wird die in den Vereinigten Staaten geborene Rachel von ihrem Freund Nick zum ersten Mal dessen Familie in Singapur vorgestellt. Sie ahnt nicht, dass es sich bei Nick um den Erben einer der wohlhabendsten Familien des Landes handelt. Deren Einfluss und Reichtum die Grenzen mancher Vorstellungen sprengen. Und natürlich ist da auch noch Nicks Mutter, die mit der Auswahl ihres Sohnes naturgemäß nicht einverstanden ist.

Ein (vermeintlicher?) Einblick hinter die Kullissen des asiatischen Jetset-Leben, das nicht an den klassisch-westlichen Rivieras der Literaturgeschichte spielt; vielmehr erweitert es den Blick auf die hotspots Singapurs, Malaysias, Indonesiens und Hong Kong. Ein wahrer sommerlicher Schinken für die entspannende und unterhaltende Strandlektüre.

Stellen sie sich ein England der 80er Jahre vor, jedoch unter anderen Voraussetzungen: Die Briten haben die Falkland Inseln verloren. Margaret Thatcher wird vorzeitig abgwählt und Alan Turing (britischer Mathematiker und Entschlüssler des ENIGMA-Codes der Nazis) ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der artifical intelligence (AI). Es gibt Smartphones, autonom fahrende Autos und ebenjene Androiden, die vom Menschen kaum mehr  zu unterscheiden sind. Ein solcher Android ist Adam, gekauft von Charlie Friend, der damit im Besitz der ersten jemals gebauten androiden Generation ist, die auf 25 Exemplare limitiert wurde. Der Androide wird sehr schnell Teil von Charlies sozialem Umfeld, mithin verliebt er sich in dessen Freundin Miranda. Aber ist eine Maschine überhaupt in der Lage zu lieben? Emotional (nicht rational!) abzuwägen?  Adams „Emotionen“ und seine programmierten moralischen Prinzipien kollidieren dabei fast im Minutentakt mit den irrationalen Entscheidungen der Menschen.

Ein intelligent geschriebenes Buch, das nachdenklich aber auch tröstlich stimmt, wenn man um die Herausforderungen mit künstlicher Intelligenz besorgt ist. McEwan beeindruckt mit vielen Einstreuungen zu moralischen und philosphischen Fragen im Umgang mit Androiden. Ein Roman der aktueller nicht sein könnte!

 

Ferdinand von Schirachs neues Buch »Kaffee und Zigaretten« verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht.

Ferdinand von Schirach ist einer der „großen Stilisten“ unserer Zeit (NYT). Der Jurist versteht es auf außergewöhnliche Weise „Geschichten zu erzählen“. So auch in seinem neuen Buch, das die großen Themen autobiographisch verknüpft.

Es ist ein klirrend kalter Januar. In den prunkvollen Sälen des Geologischen Museums trinken sich die Größen der Modewelt warm für die Kopenhagen Fashion Week, als draußen im Schnee der Designer Bartholdy unter Qualen zusammenbricht. Es ist Blutmond-Nacht. In solchen Nächten, so heisst es in Afrika, befinden sich Sonne und Mond im Krieg. Ein unheilvoller Auftakt für Jeppe Kørner und Anette Werner. Jeppe ist zurück von einem längeren Urlaub in Australien, doch die Erholung hält nicht lange an. Denn Jeppes bester Freund ist seit dem grausamen Mord an Bartholdy unauffindbar.

Nun endlich der zweite Teil der Kopenhagener-Thriller-Serie von Beststeller Autorin Katrine Engberg. Nach „Krokodilwächter“ ermitteln Kørner und Werner in diesem Fall nun hinter den Kulissen der Kopenhagener Haute Couture. In gekonnt fesselnder Manier entführt uns Engberg in die Abgründe jener glitzernden und illusionierenden Welt der Mode. Für jeden Engberg-Fan ein must read! Für jeden Einsteiger und Liebhaber des Thriller Genres wunderbar geeignet.