Lily und Johnny, zwei ungewöhnliche Namen, eine ungewöhnliche Geschichte. Lily steckt fest in ihrer Karriere als Ärztin, Johnny empfindet sich mehr denn je als gescheiterter Künstler. Was macht ihre Beziehung aus? An welchem Punkt stehen die beiden in ihrem gemeinsamen Leben? Und: hatte Lily damals wirklich mit Ignaz Zunder geschlafen?

„Die Liebe der Skelette – zwei dürre Gestalten aus Gebeinen, Knochenmenschen, skelettierte Liebende (..) vereinigt in einem lippenlosen Kuss, der knapp vor ihrem harten Aufeinandertreffen innehielt und ausblieb.“

Wow, was für ein Buch! Zwei junge Menschen, die sich zu verschiedenste Zeitpunkten in ihrem Leben treffen und immer an die vorherige Stelle im Geflecht der Beziehung zueinander anknüpfen können. Dabei jedoch erst zum Ende erkennen, welche Dimension, welche Tiefe ihre Beziehung hat. Lily und Johnny verkörpern ein zutiefst selbstreflektierendes Grossstadtpärchen, welches jedoch -zum Trotz der Reflexion – an der gewöhnlichen Kommunikation zu scheitern droht. Man kann dieses Buch gar nicht mehr aus den Händen legen!

#mustreadthissummer

Adèle arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie im eleganten 18. Arrondissement der französischen Hauptstadt – eine fast perfekte Familie. Ein Leben, dem es nach außen hin an nichts fehlt. Doch ist es gerade diese Perfektion, an deren Langeweile Adèle zu ersticken droht. Gelangweilt läuft sie durch die Straßen der Stadt, hat Sex mit Fremden, wann immer es ihrer Lust zuträglich ist. Die Angst vor dem Kontrollverlust ist ihr ständiger Begleiter, aber aufhören kann sie nicht.

Ein Roman der verstört! Slimani nimmt uns mit in die Abgründe ihrer Protagonistin, zeigt uns jede einzelne Seite ihrer Psyche, ohne dabei vulgär oder plump zu sein. Vielmehr wird hier eine fein säuberlich Skizze des Niedergangs einer Frau gezeichnet, die man jedoch kaum mehr aus den Händen legen möchte! Eine Provokation und das Aufzeigen eines bisher immer noch gesellschaftlichen Tabus: Hypersexualität.

Tomás  ist zur Hälfte Spanier und Engländer, bereits in der Schule verliebt er sich in die gleichaltrige Berta Isla. Beide wollen ein gemeinsames Leben miteinander führen. Dem jungen Sprachtalent ist dabei eine „Karriere“ bestimmt, die mit einem Studium in Oxford beginnt und durch einen folgenschweren Fehler beim britischen Geheimdienst ihren Lauf nimmt. Schon bald nach seiner Rückkehr vermutet Berta, die inzwischen seine Ehefrau ist, dass Tomás ein Doppelleben führt. Als er dann zu Beginn des Falklandkrieges plötzlich spurlos verschwindet, beginnt sie endgültig zu hinterfragen, wen sie geheiratet hat.

Javier Marías, einer der wunderbarsten Geschichtenerzähler unserer Zeit brilliert wieder einmal mit einem detailverliebten Roman, bei dem man zunächst gar nicht weiss, ob es sich um einen Agententhriller oder eine bloße Liebesgeschichte handelt. Eine Geschichte über das Warten, die Zerbrechlichkeit der Liebe und die Zerrissenheit zwischen Krieg, Geheimnissen und Loyalität.Ein must read für diesen Sommer!

Welchen Stellenwert hat Liebe in einer Welt voller exzessivem Reichtum?

In Kevin Kwans Roman über unermesslich reiche asiatische Familien wird die in den Vereinigten Staaten geborene Rachel von ihrem Freund Nick zum ersten Mal dessen Familie in Singapur vorgestellt. Sie ahnt nicht, dass es sich bei Nick um den Erben einer der wohlhabendsten Familien des Landes handelt. Deren Einfluss und Reichtum die Grenzen mancher Vorstellungen sprengen. Und natürlich ist da auch noch Nicks Mutter, die mit der Auswahl ihres Sohnes naturgemäß nicht einverstanden ist.

Ein (vermeintlicher?) Einblick hinter die Kullissen des asiatischen Jetset-Leben, das nicht an den klassisch-westlichen Rivieras der Literaturgeschichte spielt; vielmehr erweitert es den Blick auf die hotspots Singapurs, Malaysias, Indonesiens und Hong Kong. Ein wahrer sommerlicher Schinken für die entspannende und unterhaltende Strandlektüre.

Stellen sie sich ein England der 80er Jahre vor, jedoch unter anderen Voraussetzungen: Die Briten haben die Falkland Inseln verloren. Margaret Thatcher wird vorzeitig abgwählt und Alan Turing (britischer Mathematiker und Entschlüssler des ENIGMA-Codes der Nazis) ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der artifical intelligence (AI). Es gibt Smartphones, autonom fahrende Autos und ebenjene Androiden, die vom Menschen kaum mehr  zu unterscheiden sind. Ein solcher Android ist Adam, gekauft von Charlie Friend, der damit im Besitz der ersten jemals gebauten androiden Generation ist, die auf 25 Exemplare limitiert wurde. Der Androide wird sehr schnell Teil von Charlies sozialem Umfeld, mithin verliebt er sich in dessen Freundin Miranda. Aber ist eine Maschine überhaupt in der Lage zu lieben? Emotional (nicht rational!) abzuwägen?  Adams „Emotionen“ und seine programmierten moralischen Prinzipien kollidieren dabei fast im Minutentakt mit den irrationalen Entscheidungen der Menschen.

Ein intelligent geschriebenes Buch, das nachdenklich aber auch tröstlich stimmt, wenn man um die Herausforderungen mit künstlicher Intelligenz besorgt ist. McEwan beeindruckt mit vielen Einstreuungen zu moralischen und philosphischen Fragen im Umgang mit Androiden. Ein Roman der aktueller nicht sein könnte!

 

Ferdinand von Schirachs neues Buch »Kaffee und Zigaretten« verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht.

Ferdinand von Schirach ist einer der „großen Stilisten“ unserer Zeit (NYT). Der Jurist versteht es auf außergewöhnliche Weise „Geschichten zu erzählen“. So auch in seinem neuen Buch, das die großen Themen autobiographisch verknüpft.

Es ist ein klirrend kalter Januar. In den prunkvollen Sälen des Geologischen Museums trinken sich die Größen der Modewelt warm für die Kopenhagen Fashion Week, als draußen im Schnee der Designer Bartholdy unter Qualen zusammenbricht. Es ist Blutmond-Nacht. In solchen Nächten, so heisst es in Afrika, befinden sich Sonne und Mond im Krieg. Ein unheilvoller Auftakt für Jeppe Kørner und Anette Werner. Jeppe ist zurück von einem längeren Urlaub in Australien, doch die Erholung hält nicht lange an. Denn Jeppes bester Freund ist seit dem grausamen Mord an Bartholdy unauffindbar.

Nun endlich der zweite Teil der Kopenhagener-Thriller-Serie von Beststeller Autorin Katrine Engberg. Nach „Krokodilwächter“ ermitteln Kørner und Werner in diesem Fall nun hinter den Kulissen der Kopenhagener Haute Couture. In gekonnt fesselnder Manier entführt uns Engberg in die Abgründe jener glitzernden und illusionierenden Welt der Mode. Für jeden Engberg-Fan ein must read! Für jeden Einsteiger und Liebhaber des Thriller Genres wunderbar geeignet.

„Fünfhundert Blatt. Universalpapier. Für alle Drucker und Kopierer geeignet. Weder liniert noch kariert. Gut ausgewählt, Padre. Ich habe es noch nie gemocht, eingeengt zu werden.“ – Weil er Stotterer ist, vertraut Johannes H. Stärckle ganz auf die Macht des geschriebenen Worts und setzt es rücksichtslos ein, zur Notwehr ebenso wie für seine Karriere. Irgendwann bringt ihn jedoch seine Eitelkeit ins Gefängnis. Dort seine Zeit absitzend schildert er durch Briefe an den Gefängnispfarrer „Padre“ sein Leben. Ein Leben das durch die Macht des geschriebenen – nicht gesprochenen – Wortes geprägt ist. Von der harmlosen Fiktion eines Liebesbriefes in der Schule bis hin zum manipulierten Suizid eines Sektenmitglieds. Der Stotterer versucht alle von seiner Lebensgeschichte zu überzeugen..

Die Macht des geschriebenen Wortes tritt hier in unverkennbarer Fülle hervor. Ein glänzend geschriebenes Buch voller sprachlicher Meisterleistungen. Lewinsky hat ein brillantes Buch geschrieben und wir hoffen, dass es nicht das letzte war! Absolut lesenswert.

„In bösen, dunklen, kalten Tümpeln/ Wo alte Bücher Orm gebären/ Die tief in toten Sümpfen dümpeln/ Wo Bücherwürmer sich vermehren/ Wo alle Fragen Antwort finden/ Doch niemand seine Frage kennt/ Dort soll sich jener Dämon winden/ Den man den Bücherdrachen nennt.“ -Ohjann Golgo van Fontheweg

In den Katakomben von Buchhaim erzählt man sich eine alte Geschichte vom sprachmächtigen Drachen Nathaviel. Angeblich besteht er aus lauter Büchern, die von der mysteriösen Kraft des Orms durchströmt sind. Die Legende besagt, der Bücherdrache habe auf jede Frage die richtige Antwort.

Endlich sind die Buchlinge wieder da und endlich beglückt uns Walter Moers mit einem neuen Abenteuer in den „tiefen, dunklen kalten Räumen, wo Schatten sich mit Schatten paaren“ im Untergrund der schon oft Schauplatz gewesenen Stadt Buchhaim.Der Buchling Hildegunst Zwei macht sich eines Tages auf den Weg in den Ormsumpf, wo Nathaviel hausen soll. Dabei wagt er sich in Bereiche der Katakomben, in denen es von Gefahren wie den heimtückischen Bücherjägern nur so wimmelt..

Eine wunderbare Erzählung, gespickt mit Comics von Moers selbst, die Lust auf mehr macht! Eine Leseprobe des neuen Briefromans „Insel der 1000 Leuchttürme“ findet sich ebenfalls! Ein Muss für alle Moers-Fans!

Endlich eröffnet auch der Diogenes Verlag mit seinem Frühjahrsprogramm das literarische Jahr 2019!

In „Irgendwann wird es gut“ vereint Joey Goebel 10 Kurzgeschichten, die es in sich haben. Egal ob es ich um Anthony Dent handelt, der abendlich auf seine Angebetete mit einem Glas Bourbon wartet, oder um Beth Schlehuber, die nach einem Suizidversuch im Krankenhaus aufwacht, alle Geschichten vereint die Suche verlassener Seelen nach dem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben. Es geht um Menschen, die sich nach einem winzigen Stück vom großen Lebensglück sehnen, aber in der Kleinstadt Moberly im Bundesstaat Kentucky dieses wohl nie finden werden..

Mit Joey Goebel präsentiert sich ein junger, wenngleich schon fast zu Kultstatus avancierter Autor im gewohnt hochklassigen Diogenes Verlag. „Irgendwann wird es gut“ ist eine fantastische Einreihung in seine bisherigen Romane „Vincent“ und „Ich gegen Osborne“ und brilliert in gekonnter Sprachmanier!